Arbeitsrecht & Personal

Lehre in Zeiten von Corona: 5 Rechtsfragen kompakt beantwortet

Das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen haben besonders Lehrlingsausbilder in den letzten Wochen vor neue Herausforderungen gestellt. Wir fassen kompakt für Sie zusammen, was Sie aktuell rund um Homeoffice, Kurzarbeit, Urlaub & Co. beachten müssen!

Dürfen Sie Lehrlinge ins Homeoffice schicken?

Eine heikle Frage, die sich vielen Lehrbetrieben stellt, wenn große Teile der Belegschaft von zu Hause aus arbeiten! Homeoffice ist für Lehrlinge an sich nicht vorgesehen, weil bei ihnen der Ausbildungscharakter im Vordergrund steht. Rechtsexperten gehen allerdings davon aus, dass Homeoffice für Lehrlinge dann möglich sein kann, wenn dies mit dem Ausbildungscharakter gut vereinbar ist – wobei das wohl eher streng beurteilt wird. Alternativ können Sie Lehrlinge bei Fortzahlung des Entgelts freistellen.

Gilt die Corona-Kurzarbeit auch für Lehrlinge?

Grundsätzlich ist die Beantragung von Kurzarbeit auch für Lehrlinge möglich. Die Miteinbeziehung von Lehrlingen muss dann in der Sozialpartnervereinbarung vorgesehen werden. Voraussetzung ist laut Arbeiterkammer, dass das Ausbildungsziel trotz Kurzarbeit erreicht werden kann. Die Lehrzeit verlängert sich jedoch durch die Kurzarbeit nicht. Ein wesentlicher Unterschied zu fertig ausgebildeten Arbeitnehmern ist, dass Lehrlinge ihre Lehrlingsentschädigung während der Kurzarbeit weiterhin zu 100% erhalten und nicht auf 80 bis 90% reduziert werden.

Achtung: Tappen Sie nicht in die Diskriminierungs-Falle! Werden nicht alle Lehrlinge (in gleichem Ausmaß) in die Kurzarbeit einbezogen, muss dies klar begründet werden.

Können Sie den Verbrauch von Urlaub anordnen?

Generell kann Urlaub vom Arbeitgeber nicht einfach angeordnet werden, weil er Vereinbarungssache ist. Seit dem 2. COVID-19-Gesetz gilt aber: Sollte ein Lehrling nicht weiterhin im Betrieb eingesetzt werden können (z.B. wegen Betriebsschließung oder -einschränkung), bekommt er weiterhin seine Lehrlingsentschädigung und ist im Gegenzug dazu verpflichtet, in diesem Zeitraum Urlaubs- und Zeitguthaben aufzubrauchen. Das betrifft insgesamt maximal acht Wochen, davon bis zu zwei Wochen aus dem laufenden Jahr.

Gibt es besondere Schutzpflichten für Lehrlinge?

Lehrbetriebe haben was Lehrlinge betrifft zwar eine besondere Schutzpflicht, im Fall von COVID-19 ist diese jedoch nicht höher als gegenüber anderen Arbeitnehmern. Der Grund ist, dass die meisten Lehrlinge aufgrund ihres Alters nicht zur Risikogruppe gehören. Der Arbeitgeber muss aber generell dafür sorgen, dass die gesetzlich vorgegebenen Schutzmaßnahmen (z.B. Abstandsregel, Bereitstellung von Desinfektionsmittel,…) getroffen und eingehalten werden. 

Können Sie Lehrverhältnisse aufgrund von COVID-19 vorzeitig beenden?

Aus dem Berufsausbildungsgesetz (BAG) ergibt sich kein Grund, der dazu berechtigen würde, Lehrverhältnisse aufgrund von COVID-19 vorzeitig zu beenden. Eine einvernehmliche Auflösung wäre aber möglich, z.B. wenn sich ein Lehrling im Handel nicht mehr wohlfühlt, in die Arbeit zu kommen. Auch eine Beendigung in der Probezeit wäre denkbar. Beachten Sie:Lehrlinge haben trotz Coronavirus die Pflicht, ihre Arbeit anzutreten, wenn der Betrieb weiterhin geöffnet ist! Erscheint der Lehrling nicht zum Dienst, kann das eine Grundlage für eine vorzeitige Beendigung des Lehrvertrages durch den Lehrbetrieb darstellen.

Tipp: Weitere Antworten auf wichtige Rechtsfragen im Zusammenhang mit COVID-19 sowie Tipps der Top-Ausbilder zum Neustart nach Corona erhalten Sie am Online-Ausbildertag 2020 !

 

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